Wir führen keine Digitalpianos, weil wir Instrumentenbauer sind und es für uns nicht möglich wäre, auch nach der Garantiezeit selbst einen Reparaturservice anzubieten – da müssten wir eher Elektrotechniker sein.
Dennoch werden wir in unserer Werkstatt oft befragt, wo die Unterschiede zwischen dem Original und einem Digitalpiano liegen.
So habe ich das jetzt mal vesucht, meine Antwort in geschriebene Zeilen zu fassen....:
Digital Pianos werden oft beworben, dass diese mit authentischen Klängen großer namhafter Hersteller ausgestattet sind, oder dass der Anschlag nunmehr nochmehr dem Anschlag eines echten Pianos entspricht....
und man kann zudem ungestört über Kopfhörer spielen.
Das klingt toll!
Und doch merkt auch der Laie im direkten Vergleich, dass es sich anders anfühlt, ob man eine Taste auf einem Digitalpiano oder auf einem klassischen akustischen Piano anschlägt.
Warum ist das so ?
Bei einem akustischen Klavier bringen wir tatsächlich durch unsere Körperenergie ein Medium zum Schwingen (wie bei allen anderen akustischen Instrumenten auch) und der erzeugte Klang hat direkt was mit der/m Spieler/in zu tun. Wir erzeugen den Klang und geben diesem bemerkt oder unbemerkt eine Bedeutung. Das Urprinzip von Musik.
Bei einem Digitalpiano rufen wir durch den Tastenanschlag in der Regel fertige aufgenommene (gesampelte) Klänge ab, die je nach Prozessorleistung mehr oder weniger dem aufgenommenen Ton entsprechen, aber der wiedergegebene Klang ist ohne eigene musikalische Bedeutung.
Intellektuell betrachtet reicht es ja, die richtige Taste zur richtigen Zeit zu drücken und schon wird ein bekanntes Klavierstück erkennbar.
Aber wenn man für sich mehr möchte, als nur eine Wiedererkennbarkeit abzurufen, kommt man mit einem Digitalpiano schnell an die Grenzen.
Als Beispiel gebe ich gerne, dass zwei unterschiedliche Leute das gleiche Stück am gleichen Instrument spielen können (und sich auch nicht verspielen), und jeweils ganz unterschiedlich wahrgenommen wird – mal geht es ans Herz – mal nicht...
(...oder haben Sie schon mal ein Solostück an einem Digitalpiano vorgetragen bekommen, dass Sie musikalisch emotional berührte...?)
Meine zusammenfassenende Meinung:
Ich bin Freund eines Digitalpianos, wenn man etwas unkompliziert aufnehmen möchte, wenn man nachts nochmal seine Finger trainieren möchte (früher gab es dafür stumme Klaviaturen – da ist ein Digitalpiano schon komfortabler), oder auch im Kontext mit anderen Instrumenten, wenn der musikalische Schwerpunkt auf einem anderen Instrument oder der Stimme liegt, oder wenn man sich schon vernünftig auf einem akustischen Klavier musikalisch ausdrücken kann und keines zur Verfügung hat....
Ich bin kein Freund eines Digitalpianos wenn es um musikalischen Ausdruck geht, oder man das Musizieren im wahrsten Sinne des Wortes erlernen möchte. Wenn man Musik braucht, um seinen Gefühlen ein Ausdrucksmittel zu geben.
Wenn man Musik überhaupt für sich erlebbar machen möchte...
Nach meiner eigenen musikalischen Erfahrung und Laufbahn bedingt das ein akustisches Instrument.
"Musik wird oft als störend empfunden, weil sie mit Geräusch verbunden", wußte schon Wilhelm Busch zu sagen, aber im Umkehrschluss heißt das für mich " Kein Geräusch – keine (echte) Musik".
Und für die, die sich wegen der vermeindlichen Lautstärke eines echten Klavieres sorgen – es gibt auch klangschöne zarttönende Pianos.
.(..und es ist auch schön, sich mal mit Sachen zu beschäftigen, die keinen Stecker haben...)
Jörg Gohl (im Mai 2026)
(Klavierbauermeister und ambitionierter (Hobby-) Musiker)